8.  Spieltag  am  06. 03. 2011  in  Eisenach


Brett Züge Eisenach  II   (1542) DWZ 3 : 5 Bad Salzungen   (1736) DWZ
1 28 Hilbert, Stephan-Jörg 1637 0 : 1 Schulz, Tilo 1897
2 61 Huchthausen, Siegfried 1593 0 : 1 Essegern, Kurt 1979
3 50 Mekus, Stephanie 1551 0 : 1 Essegern, Uwe 1848
4 46 Hoppe, Hans-Jörg 1421 0,5 : 0,5 Feldmann, Bernd 1817
5 36 Schönau, Horst 1589 0,5 : 0,5 Wiefel, Erik 1733
6 52 Mekus, Manuela 1577 1 : 0 Kunze, Heinz 1677
7 35 Kursawe, Reiner 1528 0,5 : 0,5 Mäurer, Michael 1628
8 59 Becker, Walter 1442 0,5 : 0,5 Keilholz, Stefan 1316

-   zu den Partien   -


Unser letztes Auswärtsspiel bei der zweiten Mannschaft von Eisenach wurde von mehreren von uns wohl ein wenig unterschätzt. Da wir mit beinahe idealer Besetzung anreisten, rechneten wir nicht mit größeren Schwierigkeiten, sehr zu Unrecht, wie sich bald herausstellte. Obwohl wir von der Papierform her an fast allen Brettern favorisiert waren, gerieten wir in drei Partien zwischenzeitlich eindeutig im Nachteil und ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass das nur am Karneval gelegen hat.

Verlauf

An allen Brettern wurde zunächst heftig gekämpft und ein Eisenacher Zuschauer bemerkte mit Verwunderung, dass nach mehr als zwei Stunden noch keine Partie beendet war. Aber das änderte sich bald. Erik und Horst Schönau einigten sich nach hartem Kampf auf Remis. Dank des planlosen, passiven Spiels seines Gegners erhielt Erik eine haushoch überlegene Stellung und hätte schon im 11. Zug entscheidenden Vorteil erzielen können. Mit 15.dxe5 anstelle von drei vielversprechende Alternativen gab er seinen Vorteil völlig aus der Hand. Horst Schönau spielte nun konsequent auf die entstandenen Bauernschwächen. Während Erik wie das Kaninchen vor der Schlange reihenweise starke Gegenzüge ausließ, spielte sein Gegner ideenreich und kam in Vorteil. Wir hatten Glück, dass dieser das Eindringen seines Turmes auf die zweite Reihe überschätzte und seinen starken Freibauer aufgab. Danach war die Partie objektiv remis.

0,5 : 0,5

Bei Heinz, unserem Topscorer, riss diesmal die Serie ab -  er verlor gegen die vorsichtig und umsichtig agierende Manuela Mekus. Den Zug 9. ..b5 hätte Heinz wohl erst mit 9. ..Tb8 vorbereiten sollen, dann muss er das Feld c4 für den Springer, der später so eine große Rolle spielt, nicht freigeben. Dass es hier um königsindische Ideen geht, hätte ihm auffallen müssen. Trotzdem hätte er mit einfachen, stellungsgemäßen Zügen zumindest gleiches Spiel behalten. Mit dem fahrlässigen und sinnlosen 22. ..Da7 gibt er die letzten Verteidigungsressourcen seiner Stellung auf. Seine Gegnerin lässt nichts mehr anbrennen und gewinnt verdient.

1,5 : 0,5

Bernds Gegner H.J. Hoppe hatte eine eigenartige Idee. Mit dem Vorziehen des d-Bauern nach d4 in zwei Teilen überließ er Bernd den Anzugsvorteil. Es entsteht eine Stellung des Colle-Aufbaus mit vertauschten Farben. Als Weißer hätte Bernd das starke 9. e4! .. sicher sofort gesehen, das entsprechende 9. ..e5! aber allem Anschein nach nicht. Mit dem naheliegenden 16. ..Ld6 konnte er noch einmal in Vorteil kommen, auch der Abtausch der beiden Türme gegen die Dame war nicht unbedingt nötig. Leider hat Bernd dann auch noch die feine taktische Chance 37. ..Se4! verpasst. So musste er sich mit einem Remis durch Zugwiederholung zufriedengeben.

2 : 1

Auch Michael hatte nach nur 12 Zügen bereits eine Gewinnstellung. Doch dann fehlten ihm offensichtlich die Ideen. Mit 16.f4xg5? .. räumte er Reiner Kursawe unnötige Chancen ein, anstatt mit 16.a4 und 17.b4 einen Sturm auf den schwarzen König einzuleiten. Nach der Öffnung der Stellung bekam er Probleme mit der offenen h- Linie und musste sich sorgfältig verteidigen. Leider verpasste er mit 30. Dd2? die letzte Chance auf einen Sieg, die mit 30.Txe7 zu wahren war. Deshalb leider nur ein Remis!

2,5 : 1,5

Mein Gegner Dr. S.- J. Hilbert hatte in dieser Serie noch keine Partie verloren und stellte mich schon im 5. Zug vor Probleme. Die Entscheidung, diesmal einen echten Panow zu spielen, kostete mich 10 Minuten Bedenkzeit. Im 14. und 15. Zug vermied ich durchaus spielbare forcierte Varianten und brachte meinen Gegner damit mehr und mehr ins Grübeln. Schließlich entschied er sich dafür, mir die Möglichkeit, den Bauern d5 zu gewinnen, ein für alle mal aus der Stellung zu nehmen. Dafür nahm er aber eine passive Figurenstellung in Kauf. Beeindruckt von seinem schnell wegschmelzenden Bedenkzeitvorrat machte mein Gegner einen bereits partieentscheidenden Fehler, der zunächst den umkämpften Bd5 kostete. Wenig später ging noch ein ganzer Turm verloren. Ausgleich!

2,5 : 2,5

Die junge Stephanie Mekus, Uwes Gegnerin, beeindruckte zunächst durch sauberes Eröffnungsspiel und strategisches Geschick. Erst bei einer Abwicklung im 17. Zug nutzte sie in der Stellung verborgenen taktischen Möglichkeiten nicht, sodass Uwe nach und nach zu deutlichem Stellungsvorteil kam. Nach erzwungenem Damentausch kann Schwarz wieder aufatmen, stellt aber kurz danach einen Bauern ein. Zwar bekommt sie noch einmal Remischancen, weil Uwe seine Möglichkeiten nicht wahrnimmt und sie mit einen vorübergehenden Bauernopfer und der Festlegung der gegnerischen Bauermajorität alle Verteidigungsregister zieht, aber schließlich reichen die zwei Plusbauern doch zum Sieg.

2,5 : 3,5

Stefan spielte seinen Caro-Kann bis zum 15. Zug sauber und ordentlich, ließ dann aber leider seine besten Chancen aus und dem Gegner freie Hand zum Angriff. Als die Stellung schon hoffnungslos verloren schien, zeigte sich Stefan als der bessere Endspieler. Nach einem Angstzug seines Gegners marschierte Stefan mit seinem König zum Damenflügel und erzwang das Remis. Es ist nicht zu fassen, dass Stefan mit 58. .. a5! nun auch noch gewinnen konnte.

3 : 4

Gegen das Angsthäschenschach seines Gegners Siegfried Huchthausen demonstrierte Kurt Selbstbewusstsein, schwächte aber dabei seine Stellung. Mit einem unnötigen Abtausch auf g2 überließ er dem Weißen die Herrschaft über die weißen Felder. Mit einem Qualitätsopfer erspielt er sich strategische und taktische (Schwindel-) Chancen. Da es der Gegner versäumte, am Königsflügel nachzusetzen, hatte Kurt bald ausreichende Kompensation für sein Materialdefizit. Innerhalb weniger Züge kippte schließlich die Partie von Verlust über Dauerschach bis hin zum gewinnbringenden Angriff für Schwarz

3 : 5


Fazit

Langeweile kam nie auf! So sollten Wettkämpfe sein: umkämpft, ausgekämpft und gerade wegen der vielen Fehlern auch spannend und abwechslungsreich. Zum Glück wurde trotz schlechter Haltungsnote der Doppelpunkt eingefahren. Kurz vor dem Ende der Saison ein wichtiger Sieg!

 

Tilo Schulz


 

Erik (rechts) bereitete sich selber unnötige Schwierigkeiten. In dieser Begegnung wären auch andere Ausgänge denkbar gewesen. Tilo in seinem Element - der Gegner wurde positionell überspielt und für Salzungen der Ausgleich erzielt. Selten sieht man Kurt (links) so lange unter Druck gesetzt. Der Griff nach dem Strohhalm brachte am Nachmittag sogar noch den unerwarteten vollen Punkt.

 


 

Was gab es zu sehen?   -   Die Höhepunkte des Tages im Überblick.

 

Brett 2   -   Kurt Essegern   (Schwarz)   Brett 3   -   Uwe Essegern   (Weiß)   Brett 3   -   Uwe Essegern   (Weiß)

Darin besteht die Tragik des Schachs: man kann lange Zeit die Partie bestimmen - ein schwerer Fehler wirft alles weg. Weiß am Zuge hätte sich mit Lxh6 dem Dauerschach beugen sollen. Jedoch Lh2?? richtet sich selber hin. Es folgte Le3+ nebst der Entfesselung Kf6!   Uwe musste ganz schnell seinen 40. Zug ausführen (kennen wir...) und wählte mit Se5?! eine remisträchtige Variante. Richtig war 40.Sc1 nebst Se2 mit leichtem Gewinn. Ein Eindringen des schwarzen Königs nach c4 braucht Weiß nicht fürchten (in der Partie tat er es aber...).   Schwarz am Zuge spielte Kxb4? und entfernte seinen König vom Zentrum. Nach Kd3 entscheidet die Aktivität des weißen Monarchen. Richtig wäre in der Stellung erst der Zwischenzug Sg3+ gewesen. Trotz zweier Bauern Vorteil kommt Weiß dann nicht weiter.
         
Brett 4   -   Bernd Feldmann   (Schwarz)   Brett 8   -   Stefan Keilholz   (Schwarz)   Brett 8   -   Stefan Keilholz   (Schwarz)

Springer und Dame gegen den König - welch verheerendes Zusammenspiel! Schwarz sah das Feld f2 und spielte Sg4 (ohne Durchschlag). Nach dem richtigen Se4! (jetzt greift der Springer auch noch g3 an) gibt es keine Verteidigung gegen den drohenden Materialverlust.   Kopfrechnen bei wenig Material! Weiß hatte Angst vor der gegnerischen Einnahme des Schlüsselfeldes h2 und zog Kf2? (Zeitverlust) Zum Gewinn führt der sofortige drei-gegen-zwei Durchbruch b4 oder a4 (beide Züge gewinnen).   Der unglückliche weiße König steht immer noch tatenlos zuschauend auf f2. Stefan war wohl nach schwierigem Spiel hocherfreut, endlich das Remis zu haben und zog axb5? Nach dem richtigen a5! gewinnt jedoch Schwarz, da der König sich im Quadrat des b-Bauern befindet.

 


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letzte Aktualisierung dieser Seite:   10. März 2011