6.  Spieltag  am  23. 01. 2011  in  Vacha


Brett Züge Vacha   (1780) DWZ 3,5 : 4,5 Bad Salzungen   (1792) DWZ
1 15 Tuhacek, Christian 1919 0,5 : 0,5 Schulz, Tilo 1897
2 13 Meyer, Thomas 1874 0,5 : 0,5 Essegern, Kurt 1979
3 68 Jakob, Ralf 1964 0 : 1 Essegern, Uwe 1848
4 18 Roth, Ralf 1829 0,5 : 0,5 Feldmann, Bernd 1786
5 15 Kaden, Frank 1743 0,5 : 0,5 Wiefel, Erik 1733
6 48 Bock, Hans-Jürgen 1629 0 : 1 Kunze, Heinz 1677
7 17 Dost, Siegfried 1681 0,5 : 0,5 Mäurer, Michael 1628
8 39 Langlotz, Herbert 1606 1 : 0 Merkel, Andreas  

-   zu den Partien   -


Das Spiel um die Tabellenspitze, zugleich Kreisderby und Treffen alter Rivalen, war nicht frei von einiger Nervosität. Vacha konnte seine stärkste Mannschaft aufbieten, bei uns fehlte der diesmal wegen seiner verantwortungsvollen Arbeit verhinderte Frank. So kam Andreas zu seinem ersten Einsatz. Ein harter Kampf war zu erwarten. Sehr bald stellte sich aber auch heraus, dass bei vielen der Respekt vor der Kampfkraft und spielerischen Qualität des Gegners mit am Brett saß.

Verlauf

Michael an Brett 7 hatte ich noch kurz vor der Partie darauf aufmerksam gemacht, dass gegen Siegfried Dost ein Remis ein gutes Ergebnis ist. Nach einer Stunde und 17 gespielten Zügen war die Remisbreite nicht überschritten. Dem sich abzeichnenden verwickelten Kampf wollten wohl beide aus dem Weg gehen, deshalb: Remis.

0,5 : 0,5

Kurt hatte es gegen Thomas Meyers Englisch wohl allzu eilig, einen auf g5 auftauchenden Springer zu vertreiben. Das Ergebnis waren Felderschwächen, die eine harmonische Figurenaufstellung verhinderten. Thomas wird wohl trotz besserer Stellung mit dem Remis nicht unzufrieden gewesen sein.

1 : 1

Erik hatte Frank Kaden zum Gegner. Mit der französischen Abtauschvariante kündigte er sein Interesse an einer friedlichen Einigung an, Frank hatte allem Anschein nach nichts dagegen, also: Remis nach 15 Zügen und gerade beendeter harmonischer Figurenentwicklung.

1,5 : 1,5

Christian Tuhacek spielte gegen mich die Pirc – Verteidigung und ließ sich in eine relativ passive Stellung drängen. Gerade als ich nach erfolgreicher Aufstellung meiner Figuren zum Angriff auf dem Königsflügel übergehen wollte, störten mich plötzlich auftretende Kopfschmerzen in meiner Konzentration. Leider muss man im Alter manchmal auch mit so etwas rechnen. Nachdem auch eine eilig eingenommene Schmerztablette keine schnelle Linderung gebracht hatte, bot ich vorsichtshalber Remis an, was Christian nach einigem Überlegen annahm.

2 : 2

Andreas hatte mit Senior Herbert Langlotz einen starken Gegner, dem er offenbar nicht gewachsen war. In einem Scheveninger Standard – Sizilianer griff er schon bei den ersten Feindseligkeiten fehl, was zum Verlust von zwei Bauern führte. Zwar versuchte Andreas noch 30 Züge lang mit allerlei Tricks der Niederlage zu entgehen, hatte aber bei diesem taktisch gewitzten Gegner keine Chance.

3 : 2

Recht interessant gestaltete sich die Eröffnung in der Partie von Ralf Roth gegen Bernd. Da der Weiße nicht gezwungen ist, d4 .. zu spielen, wäre wohl 6. ..a6 logischer und stärker gewesen als 6. .. Sc6. In der Folge verhinderte Weiß die Auflösung des schwarzen Doppelbauern, während Schwarz den einengenden Be5 loswerden konnte. Nach 18 Zügen stand Schwarz zum Befreiungszug .. e5 bereit, was Ralf wohl zum Remisangebot veranlasste.

3,5: 2,5

All unsere Hoffnungen ruhten nun auf den beiden verbliebenen Kämpfern Uwe und Heinz. Letzterer war mit seinem Paulsen-Sizilianer gut aus der Eröffnung herausgekommen, auch deshalb, weil Hans-Jürgen Bock nicht alle sich bietenden Chancen genutzt hatte. Schließlich hatte sich ein komplizierter Manövrierkampf entwickelt, bei dem Heinz geschickter operierte. Als er ohne ernsthafte Gegenwehr über die g-Linie eindringen konnte, war das Schicksal des Weißen besiegelt. Der Figurenverlust nach 38. Lxd5 .. beschleunigte nur noch das Ende. Ausgleich!

3,5 : 3,5

Nun musste Uwes Partie gegen Ralf Jakob alles entscheiden. Uwe hatte die Eröffnung nicht energisch genug gespielt und sich mit dem Harakiri- Zug 14.e5 .. in eine Verluststellung manövriert. Die Verteidigung der Stellung wurde immer schwieriger und der Bedenkzeitvorrat immer knapper. Glücklicherweise fand Ralf in dem verständlichen Bestreben, Uwes Zeitprobleme auszunutzen, nicht immer den besten Zug. Deshalb hätte Uwe mit 30.Sf3! .. eine klare Gewinnstellung herbeiführen können (habe ich im Vorbeigehen gesehen) – aber die Zeitnot! Nun landete er in einem schlechteren Endspiel, das er erfindungsreich verteidigt. Nach der Zeitkontrolle verpasst er allerdings die einfachere Verteidigung 43. Sb7 .., aber auch die Verteidigungsidee mit g4-g5-g6 ist genial. Das von mir empfohlene 48. e6-e7 .. führt sicher zum Remis, das von Uwe bevorzugte 48.Sc5-d7 müsste verlieren, wenn Ralf 50. ..Lc4! findet. Aber er glaubt ja immer noch zu gewinnen. Nach einem weiteren kleinen Strauchler wird Uwe immer selbstbewusster, er kennt diese Art Endspiele und weiß, was wir alle nicht wissen, dass er Remis halten kann. Dass Ralf am Ende noch die Dame einstellt und uns damit den Sieg schenkt, ist tragisch.
Vielleicht tröstet ihn ja die Tatsache, dass ein leistungsgerechtes 4 : 4 beiden Mannschaften nichts genützt hätte.

3,5 : 4,5


Fazit

Nach viel Schwierigkeiten und Pech haben wir nun endlich auch einmal unverdientes Glück gehabt. Also auf zu neuen Taten! In der nächsten Runde erwarten wir zu Hause den neuen punktgleichen Tabellenzweiten Benshausen. Wenn wir wieder den größten Teil unserer Stammspieler aufbieten können, sind wir sicher nicht chancenlos.

 

Tilo Schulz


 

Tilo (rechts) mit besserer Stellung. Kurt (rechts) diesmal mit ungewöhnlicher Bauernstruktur. Neuzugang Andreas wickelte falsch ab.

 


 

Was gab es zu sehen?   -   Die Höhepunkte des Tages im Überblick.

 

Brett 3   -   Uwe Essegern   Brett 3   -   Uwe Essegern   Brett 3   -   Uwe Essegern

Schwarz zog zuletzt ...c5(?) und brachte den unter arger Zeitnot leidenden Weißen unter Entscheidungsdruck. Richtig wäre jetzt Sf3 mit dauerhaftem Materialvorteil. Weiß nahm jedoch auf c5 und wickelte in ein schwierig zu verteidigendes Endspiel gegen das Läuferpaar ab.   Der Freibauer ist so ziemlich das Einzige, was dem Weißen als Gegengewicht verblieb. Wie soll er zur Geltung gebracht werden: mit Sd7 dem Läufer die Diagonale nehmen oder sofort vorpreschen? Nur eine Variante sichert das Remis.   Am Zuge erreichte Uwe hier den Tiefpunkt der Partie. Die Stellung ist theoretisch remis und Weiß sollte mit Ke7 den letzten Bauern abholen. Aber Kc7?? verliert sofort wegen De5+. Wenn schon in die Remiszone (a8,b8,a7,b7), dann mit Kc8.
         
Brett 6   -   Heinz Kunze   Brett 6   -   Heinz Kunze   Brett 8   -   Andreas Merkel

Weiß zog den soliden Zug De2. Mehr Druck verspricht Sg5.   Heinz zog zuletzt Tg8 und Weiß wäre gut beraten, sofort auf der g-Linie sich entgegen zu stemmen. Nach La2? erfolgt aber eine simple Verdopplung mit unvermeidbarem Materialverlust. Weiß leistete sich dann mit Lxd5?? sogar noch eine Zugabe.   Der Partiezug Sxd4 verliert einfach (unnötig) Material. Nach dxe5 wäre nichts passiert, da Weiß zunächst auf c6 zwischen nehmen muss. Nach der Antwort Lxc6 hat der schwarze Springer auf f6 ein Rückzugsfeld auf d7.

 


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letzte Aktualisierung dieser Seite:   24. Januar  2011