5.  Spieltag  am  08. 01. 2012  in  Bad Salzungen


Brett Züge Bad Salzungen   (1763) DWZ 2,5 : 5,5 Leinefelde  (1876) DWZ
1 20 Schulz, Tilo 1870 0 : 1 Kachel, Alfred 1965
2 59 Essegern, Uwe 1876 0 : 1 Pfitzenreuter, Gerald 1939
3 36 Roth, Ralf 1843 1 : 0 Ziegenfuß, Holger 1941
4 42 Feldmann, Bernd 1829 0,5 : 0,5 Frank, Thomas 1891
5 35 Kunze, Heinz 1701 0 : 1 Dittrich, Frank 1784
6 47 Mäurer, Michael 1643 0,5 : 0,5 Seeboth, Paul 1780
7 44 Wirsing, Frank 1629 0 : 1 Müller, Sebastian 1786
8 15 Wiefel, Erik 1716 0,5 : 0,5 Petiko, Jakob 1929

-   zu den Partien   -


Unser drittes Heimspiel stand unter keinem guten Stern. Während unsere Gäste aus Leinefelde in stärkster Besetzung anreisten, mussten wir unsere beiden Spitzenbretter Kurt und Holger ersetzen. Als ich im Vorfeld ein 3:5 prognostizierte, gab es einige Stimmen, die der Meinung waren, mit den zwei starken Ersatzleuten sei vielleicht doch mehr zu erreichen. Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, aber es kam anders.

Verlauf

An Brett 8 hatte sich Erik mit dem starken Jakob Petiko auseinanderzusetzen. Gegen Jakobs Pirc-Verteidigung baute er sich zwar ungewöhnlich, aber doch stark auf und hatte die besseren Perspektiven. Eriks Raumvorteil, der sich sicher auch zu Angriffschancen hätte nutzen lassen, beeindruckte Jakob so, dass er nach knapp zwei Stunden Spielzeit Remis anbot, was Erik natürlich annahm.

0,5 : 0,5

Am Spitzenbrett musste ich gegen Alfred Kachel spielen. Mit 2.Sf3.. ging er clever meinen Vorbereitungen aus dem Weg (Nimzowitsch-Indisch oder Budapester bzw. Leipziger Gambit). Mit 2. ..g6 hielt ich mir noch die Wahl zwischen Grünfeld- und Königsindisch offen, aber er zögerte die Entwicklung des Damenspringers hinaus, was mir nach ..d5 nur weniger angenehme Varianten beschert hätte. So landeten wir schließlich in einem Königsinder, den ich schon viele Jahre nicht mehr gespielt hatte. Nach 10. d5 .. entsann ich mich gerade noch, dass die Theoretiker ..Sc5 und ..cxd5 empfohlen hatten, wählte aber die falsche Reihenfolge. Das Ergebnis war eine leicht gedrückte Stellung, die genaues Spiel erfordert hätte. Bei 17. ..b6?? übersah ich, dass nun der Bauer d6 nicht mehr gedeckt ist und konnte nach der Doppeldrohung 18.Db4.. und dem weiteren Serienfehler 18. ..Se8? wegen dem Verlust des weißfeldrigen Läufers bald aufgeben.

0,5 : 1,5

An Brett 3 beantwortete Ralf die ungewöhnliche Eröffnungsvariante gegen seine Pirc-Verteidigung etwas anders als Jakob Petiko und gewann infolge einer Fehlspekulation seines Gegners Holger Ziegenfuß einen Bauern. In der Folge wählte er mehrfach die komplizierteste Art seinen Vorteil zu verteidigen, verleibte sich schließlich einen zweiten Bauern ein und geriet gehörig unter Druck. Glücklicherweise ließ Holger nun seine stärksten Möglichkeiten aus, (22. und 23. Sxd4.., 28.Df3 .. mit der Drohung 29.Dh5 ..) so das Ralf sich gerade noch verteidigen konnte. Dass dazu einige Kaltblütigkeit nötig war, soll nicht unerwähnt bleiben. Nachdem der Angriff abgewehrt war, stand Ralf auf Gewinn.

1,5 : 1,5

An Brett 6 wurde Heinz mit einer gänzlich ungebräuchlichen Behandlung seines Sizilianers durch Frank Dittrich konfrontiert. Nachdem er sich unbeirrt auf Scheveninger Art aufgebaut und ein gutes Spiel erreicht hatte, versäumte er es bei der ersten weißen Angriffsdemonstration gleich 18. ..f5 zu spielen und die bessere Stellung seiner Figuren zu nutzen. Mit 22. ..h6! hätte er sich alle Probleme mit einem etwa auf d6 auftauchenden Springer vom Halse schaffen können. 25. ..f5? (anstatt Sd8 und Ld5) legte durch die enorme Schwächung der Königsstellung den Grundstein zum Verlust.

1,5 : 2,5

Bei den offenen Spielen ist man, wenn man die Theorie nicht kennt, sehr schnell im Nachteil. Das ist Frank an Brett 7 diesmal gegen Sebastian Müller passiert. Ein paar passive Züge, eine geöffnete g-Linie und der Gegner konnte nach der langen Rochade völlig risikolos die schwarze Königsstellung erstürmen. Der verspätete Bauernvorstoß bis nach a3 blieb unter diesen Umständen eine Demonstration ohne Wirkung. Nach dem Aufbrechen des Zentrums war mit 40.Ld5 das Schicksal des Schwarzen besiegelt.

1,5 : 3,5

Michael versuchte als Weißer an Brett 6 gegen Paul Seeboth diesmal eine andere, nicht weniger ungebräuchliche Eröffnung. Durch Zugumstellung ergab sich eine Variante des Damenspringerspiels, das sich für Weiß mit ein paar Theoriekenntnissen sehr schön spielen lässt. Stattdessen bemühten sich beide Seiten, Figuren zu entwickeln und zu tauschen, Michael verpasste eine gute Gelegenheit. mit 18. e4 .. das Zentrum zu öffnen, dann öffnete er sie dem Gegner, anstatt sie erst einmal selbst zu besetzen. Das schließlich entstehende Springerendspiel ist vorteilhaft für Schwarz, der das aber nicht zu nutzen weiß. Beim Remisschluß ist die Remisbreite wegen des entfernten Freibauern des Weißen möglicherweise schon überschritten.

2 : 4

Bernd an Brett 4 erreicht gegen Thomas Frank mit seiner scharfen Behandlung des Königsindischen Vierbauernspiels eine überlegene Stellung ( der Computer schätzt +2), aber anstatt den bis dahin erspielten Bauern einfach wegzunehmen oder einen anderen starken Zug zu machen, jagt er mit Sd5 .. einem Phantom nach und ermöglicht Thomas Gegenchancen. Mit der taktischen Fehlspekulation 27.Sc7 .. verschenkt er einen Bauern und eigentlich auch schon die Partie. Glücklicherweise sehen die Gegner auch nicht alles, und so kann Bernd sich nach der Mattdrohung 41 .. Df2?? mit 42.Dxg6 .. ein noch gar nicht so sicheres Remis erschwindeln.

2,5 : 4,5

An Brett 2 hatte Uwe gegen Gerald Pfitzenreuter sich in einem geschlossenen Sizilianer ruhig hingestellt und nach einigen Manövern mit der Öffnung und Beherrschung der d-Linie etwas Vorteil erhalten. In dem Bestreben, Gegenspiel zu erlangen, unterlief Gerald ein taktischer Fehler, der zum Verlust hätte führen müssen (nach 27.g4! .. und 28.fxe5+ .. kann Schwarz aufgeben). Aber Uwe sah es nicht. Drei Züge später hätte 30.Sd4+ .. dem Weißen immer noch Gewinnchancen versprochen. 31.Le7.. anstatt Ld4+? hätte Weiß noch gute Remischancen erhalten. Das gilt auch für das raffinierte 37.Tf5 .., das noch in der Stellung steckte. All das hat der Taktiker Uwe nicht gesehen? Ich vermute wieder einmal ebenso furchtbare wie sinnlose Zeitnot.

2,5 : 5,5


Fazit

Wir haben verloren, ein wenig höher, als notwendig war. Wie weit dabei der psychische „Rucksack“, ohne die beiden Spitzenspieler spielen zu müssen, eine Rolle gespielt hat, lässt sich objektiv nicht sagen. Von mir weiß ich, dass ich in den letzten Jahren nur in ähnlicher Situation so kläglich versagt habe wie diesmal. Dass von zwei Weißspielern, die klar auf Gewinn stehen, nur ein „geschenktes“ halbes Pünktchen übrigbleibt, lässt ähnliches vermuten. Ralf hat, mit ein wenig Glück, aber auch mit sehr viel Härte und Verteidigungsgeschick, seine Schlappe von Schmalkalden wieder gutgemacht. Heinz und Frank können sich damit trösten, dass sie mit Schwarz einfach Besseren unterlegen sind, ein Handicap, das Erik erspart blieb. Michael hat zwar seine Weißeröffnung geändert, aber nicht seinen Stil. Wenn er am Ende noch gewonnen hätte, wäre das wohl ein wenig ungerecht gewesen, In Ilmenau müssen wir, hoffentlich nicht wieder „ohne zwei spielend“, mehr psychische Härte mitbringen, wenn wir nicht ein noch schlimmeres Debakel erleiden wollen.

 

Tilo Schulz


Tilo rückte bis zum Spitzenbrett auf. In der Verteidigung übersah er einen Doppelangriff.   Frank rückte als Ersatz an Brett 7 nach. Sein erster Einsatz in dieser Saison innerhalb der Landesklasse fand unter keinem guten Stern statt.   Erik (rechts) bekam mit Weiß erstaunlich bequemes Spiel. Sein Erster Einsatz in der Landesklasse sicherte einen halben Punkt.

 


 

Was gab es zu sehen?   -   Die Höhepunkte des Tages im Überblick.

 

Brett 1   -   Tilo Schulz   (Schwarz)   Brett 2   -   Uwe Essegern   (Weiß)   Brett 2   -   Uwe Essegern   (Weiß)

Der gespielte Zug b6? von Schwarz führt zum Verlust. Der Bauer d6 und der Läufer a4 werden nach Db4 angegriffen. Weiß braucht dann nur noch Lf1 hinterher zu schieben.   Materialgewinn die Erste: g4 wurde nicht gespielt.   Materialgewinn die Zweite: Sd4+ wurde nicht gespielt.
         
Brett 2   -   Uwe Essegern   (Weiß)   Brett 3   -   Ralf Roth   (Schwarz)   Brett 4   -   Bernd Feldmann   (Weiß)

Remisabwicklung Tf5 nicht gespielt.   Weiß am Zuge spielte Sf5 und die Partie fing an zu kippen. Mit Df3 (Drohung Dh6) wird der weiße Druck beibehalten.   Bernd startete mit Sd5 komplizierte Gewinnversuche. Das einfache (und naheliegende) Lxa6 ist selbstverständlich besser.

 

 

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letzte Aktualisierung dieser Seite:   28. Januar 2012