4.  Spieltag  am  04. 12. 2011  in  Schmalkalden


Brett Züge Schmalkalden   (1783) DWZ 5 : 3 Bad Salzungen   (1832) DWZ
1 19 Klingler, Lutz 1957 0,5 : 0,5 Essegern, Kurt 1979
2 28 Bamberg, Alexander 1847 0,5 : 0,5 Hübschmann, Holger 1915
3 9 Lesser, Thomas 1856 0,5 : 0,5 Schulz, Tilo 1870
4 28 Klein, Matthias 1788 0,5 : 0,5 Essegern, Uwe 1876
5 24 Krannich, Steffen 1748 1 : 0 Roth, Ralf 1843
6 9 Burkhardt, Christian 1683 0,5 : 0,5 Feldmann, Bernd 1829
7 15 Weigend, Joachim 1827 0,5 : 0,5 Kunze, Heinz 1701
8 23 Himmel, Matthias 1564 1 : 0 Mäurer, Michael 1643

-   zu den Partien   -


Unser zweites Auswärtsspiel, diesmal gegen den punktgleichem Tabellennachbarn aus Schmalkalden, wurde wohl von einigen von uns nicht so recht ernst genommen. Meine Warnung im vorigen Kommentar wurde ebenso belächelt wie meine Voraussage, dass ein 4 : 4 gegen diesen Gegner ein durchaus annehmbares Ergebnis wäre. Ob die riesige Umleitung über Berg und Tal um die halbe Stadt uns so beeindruckt hat, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls fanden nur wenige von uns zu ihrer Normalform. Ohne die Remisangebotstaktik unserer Gegner hätte die Katastrophe noch weit schlimmer ausfallen können.

Verlauf

Trotz Krankheit mit erheblichen Schmerzen wollte ich die Mannschaft natürlich nicht im Stich lassen. Ich hatte eine 150 Jahre alte italienische Variante ausgegraben, die meinen Gegner Thomas Lesser zunächst einmal zu intensivem Nachdenken brachte. Nachdem er die taktischen Klippen umschifft hatte, bot er mir bereits nach einer Stunde Spielzeit bei ausgeglichener Stellung Remis an, was ich in Anbetracht meines Zustands gern annahm.

0,5 : 0,5

Als ich sah, dass Bernd als Schwarzer gegen Christian Burghard das scharfe und wohl nicht ganz korrekte Albinsche Gegengambit auspackte, wunderte ich mich nicht wenig, denn so etwas entspricht nicht im geringsten seinem Stil. Christian spielte eine sichere Nebenvariante und fand dabei nicht immer die stärkste Fortsetzung. Trotzdem war Bernd schon bald mit seinem Latein am Ende – ohne fundierte Theoriekenntnisse ist man bei solch scharfen Sachen eben leicht verloren. Christian fehlte es aber entweder an Selbstvertrauen oder an Spielstärke und bot das mannschaftsintern wohl abgesprochene Remis an, das Bernd wohl oder übel annehmen musste.

1 : 1

Heinz hatte an Brett sieben mit Jochen Weigend einen Gegner, gegen den er schon mehrmals Federn lassen musste. Diesmal kam es durch Zugumstellung zum c4-System der sizilianischen Paulsen-Variante, die Heinz ruhig und sicher behandelte. Als nach 15 Zügen weit und breit keine Chance auf ein erfolgreiches Gegenspiel zu sehen war, bot Jochen Remis an. Heinz nahm natürlich an, womit er in dieser Serie den ersten halben Punkt abgab.

1,5 : 1,5

An Brett acht spielte Michael gegen Matthias Himmel mit viel Phantasie und wenig Rücksicht auf eventuell auftretende Schwächen in der Stellung, lud seinen Gegner förmlich ein, sich des Damenflügels zu bemächtigen und über die c-Linie einzudringen. Als er schließlich den einzig rettenden Zug 20. ..Se8!, der die neuralgischen Punkte c7 und d6 verteidigt hätte, trotz 20-minütigem Nachdenken nicht fand und mit dem Harakiri-Zug 20. ..Se4?? die gegnerischen Schwerfiguren in seine Stellung eindringen ließ, war das Schicksal seines Königs in wenigen Zügen besiegelt.

2,5 : 1,5

Am Spitzenbrett hatte sich Kurt gegen Lutz Klingler zwar ein neues Konzept mit langer Rochade und Königsangriff ausgedacht, doch fehlte seinem Spiel diesmal die gewohnte Kraft. Er ließ sich den wichtigen schwarzfeldrigen Läufer abtauschen und schnappte schließlich nach einem vergifteten Bauern, anstatt mit 18.c5! .. eine leicht vorteilhafte Stellung anzustreben. Das Remis nach 19.Dc5.. war vielleicht auch ein wenig dem Respekt vor dem Gegner anzurechnen.

3 : 2

Ralf spielte an Brett 5 seine Spezialeröffnung 1.Sc3 .., auf die sein Gegner Steffen Krannich optimal vorbereitet war. Mit 5. g3?.. gab er das Heft des Handelns aus der Hand, und der Zug 12. Kf2.. ruinierte die Stellung vollständig. Steffen musste nur noch ein paar genaue Züge finden, um endlich mit 17. .. Sxd4! den Sack zuzubinden. Von Steffen eine bemerkenswerte Leistung, auch wenn es ihm Ralf doch wohl etwas zu leicht gemacht hat.

4 : 2

An Brett 2 beantwortete Holger den Doppelfianchetto-Aufbau von Alexander Bamberg mit dem Abtausch seines weißfeldrigen Läufers, gefolgt von einer Blockade auf den weißen Feldern. Die Aktivitäten von „Bambi“ auf dem Damenflügel hätte er wohl mit einem Angriff auf dem Königsflügel beantworten sollen. Im weiteren Verlauf erschienen die Aussichten von Weiß auf dem Damenflügel realer, was Holger zu einem Remisangebot veranlasste, das „Bambi“ kaum ablehnen konnte.

4,5 : 2,5

Hochinteressant war die Partie von Matthias Klein gegen Uwe an Brett 4. Matthias wählte einen geschlossenen Aufbau gegen Uwes Sizilianisch. Dieser begann sofort mit einem Bauernangriff auf dem Damenflügel und stellte die Entwicklung des Königsflügels zurück. Mit dem Bauernopfer 10. e5 !? .. versuchte Matthias den Entwicklungsrückstand auszunutzen, aber Uwe verteidigte sich erfolgreich und hatte nach ca. 20 Zügen klaren Vorteil, den er aber im Verlauf der nächsten 5 Zügen trotz sehr guter Möglichkeiten nicht festhalten konnte. Als Ursache vermute ich fehlende Bedenkzeit. Als nach 28.Dxd6 .. der Vorteil auf ein Minimum geschrumpft und der Mannschaftskampf entschieden war, nahm Uwe das Remisangebot an.

5 : 3


Fazit

Die Niederlage ist wohlverdient. Sie ist auch nicht der Tatsache geschuldet, dass wir mit zwei kranken Senioren angereist waren, denn die haben wenigstens Remisen erreicht. Von unserer vielzitierten starken Mitte war nichts zu sehen. Nur drei von uns erreichten Normalform, wobei Heinz seinen Angstgegner Jochen sicher im Griff behielt, Uwe wenigstens zwischendurch einmal auf Gewinn stand und Holger die zögerlichen Angriffsversuche seines Gegners abwehren konnte. Interessant war noch, dass unsere Gegner eröffnungstheoretisch überwiegend besser vorbereitet waren als wir. Michael sollte gegen sein eigenes Eröffnungssystem einfachere und wirkungsvollere Mittel zur Verfügung haben, Ralf hätte mit etwas mehr Überlegung schon auf das gute 5.d4 .. anstelle des schwächlichen 5.g3 .. kommen können. Im nächsten Heimspiel gegen Leinefelde haben wir Gelegenheit, zu beweisen, dass unser „Ausrutscher“ nicht in eine substantielle Krise münden muss.

 

Tilo Schulz


Rätselhaft bleibt die Wahl und Ausführung der Eröffnung von Bernd (rechts).   Eröffnungsprobleme und taktische Kurzsichtigkeit - Michael (links) erwischte einen schlechten Tag.   Weiter ungeschlagen in der Landesklasse - Heinz Kunze (links).

 


 

Was gab es zu sehen?   -   Die Höhepunkte des Tages im Überblick.

 

Brett 1   -   Kurt Essegern   (Weiß)   Brett 4   -  Uwe Essegern   (Schwarz)   Brett 4   -  Uwe Essegern   (Schwarz)

Schwarz am Zuge setzt mit g5 fort, wonach c4 den Läufer e3 abtauscht. Sofort Sxe3 Dxe3 droht dann Sd6+.   Weiß ging aktiv mit dem Bauernopfer e5 vor und bot Remis.   Schwarz am Zuge hätte mit b3 den Mehrbauern festhalten können und eventuell eine Verwertung haben können.
         
Brett 5   -  Ralf Roth   (Weiß)   Brett 6   -  Bernd Feldmann   (Schwarz)   Brett 8   -  Michael Mäurer   (Schwarz)

Weiß zog dxe5? und bekam mit Dc5+ ein vernichtendes Zwischenschach vorgesetzt.   Statt Sg6 zog Schwarz d3? und war nach Lb2 aus dieser Partie eröffnungstheoretisch abgemeldet.   Wohin mit dem Springer f6? Schwarz fand den Verlustzug...

 

 


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letzte Aktualisierung dieser Seite:   27. Januar 2012