3.  Spieltag  am  06. 11. 2011  in  Bad Salzungen


Brett Züge Bad Salzungen   (1832) DWZ 6,5 : 1,5 Meiningen   (1712) DWZ
1 19 Essegern, Kurt 1979 0,5 : 0,5 Hocke, Sebastian 1798
2 50 Hübschmann, Holger 1915 1 : 0 Grube, Jan 1786
3 69 Schulz, Tilo 1870 1 : 0 von Otte, Wilhelm 1812
4 22 Essegern, Uwe 1876 0,5 : 0,5 Jörges, Frank 1795
5 29 Roth, Ralf 1843 1 : 0 Weiß, Daniel 1783
6 61 Feldmann, Bernd 1829 1 : 0 Rosenberg, Erik 1446
7 84 Kunze, Heinz 1701 1 : 0 Webel, Jannik 1621
8 37 Mäurer, Michael 1643 0,5 : 0,5 Scheftlein, Richard 1657

-   zu den Partien   -


Zum zweiten Heimspiel hatten wir den Tabellennachbarn aus Meiningen zu Gast, der wie wir mit ausgeglichenem Mannschafts- und Brettpunktverhältnis auf Platz 3 lag. Wir hatten einen knappen Sieg nach hartem Kampf erwartet, aber die Gäste traten ohne ihr Spitzenbrett Peter Lehmann an, was unsere Chancen natürlich erhöhte, den Kampfgeist unserer Gegner aber nicht im geringsten schmälerte. Das führte zu mehreren erstaunlichen Ergebnissen . Unser Sieg fiel am Ende, gemessen am wechselhaften Kampfgeschehen, etwas zu hoch aus, was uns auf Platz 3 der Tabelle (und Meiningen leider auf den 8. Rang) spülte.

Verlauf

An Brett 1 hatte es Kurt mit dem jungen, ehrgeizigen und offenbar auch theoretisch beschlagenen Sebastian Hocke zu tun. Dieser verstand es, Kurts Versuch zu einer Drachenvariante zu kommen, mit dem Maroczy- Aufbau zu verhindern. Kurts etwas statischer Aufbau bot ihm zu wenig Spielmöglichkeiten, während sein Gegner seine Stellung Zug um Zug verbessern konnte. Nachdem Kurt im 17. Zug seinen Turm nach a8 zurückstellen musste, versäumte es Sebastian jedoch, mit dem naheliegenden 18.c5! .. einen vielversprechenden Angriff einzuleiten. Der nun folgende mehrfache Abtausch führte zum Remis.

0,5 : 0,5

Michael hatte mit dem jungen Richard Scheftlein einen etwa gleichwertigen Gegner, der Michaels ambitionierten Aufbau mit feinem Positionsspiel beantwortete. Nach dem Abtausch der weißfeldrigen Läufer erkannte Michael nicht, dass ein Strategiewechsel notwendig war und irrte mit seinem wirkungslosen Läufer ziellos in der Gegend umher, während sich Richard Chancen am Damenflügel erarbeitete. 32.g4?.. schwächte nur den Bh3, und Michael konnte sehr zufrieden sein, dass er mit einem kleinen taktischen Trick zu einer Remisstellung kam.

1 : 1

An Brett 5 spielte Ralf gegen Daniel Weiß eine Pirc-Verteidigung, die mit der vorsichtigen Fianchetto-Variante beantwortet wurde. Im weiteren Verlauf agierte Ralf zu scharf und sollte bei genauerem Spiel von Daniel ins Hintertreffen kommen. Auch nach dem Übergang in ein schwieriges Endspiel erhielt Weiß dank einer schwarzen Ungenauigkeit das bessere Spiel. Erst der weiße Doppelfehler im 24. und 25. Zug brachte Ralf auf die Siegerstraße. Mit einer Minusfigur war die Partie schnell aufgabereif.

2 : 1

Uwe spielte gegen den erfahrenen Frank Jörges ein übervorsichtiges Damenbauernspiel, das seinem Gegner ein originelles Ausgleichsmanöver erlaubte. Frank revanchierte sich mit vorsichtigem Spiel, das jede Aggressivität vermissen ließ. So konnte Uwe Zug um Zug seine Stellung verbessern. Die Verwicklungen im beginnenden Mittelspiel führten zu einer immer noch leicht besseren Stellung für Weiß, aber eine reale Gewinnchance für ihn gab es (noch) nicht.

2,5 : 1,5

Am zweiten Brett spielte Holger gegen Jan Grube eine Englische Eröffnung, die dieser auch schon öfter mit Weiß gespielt hat. Das aggressive 8. ..Db6 konnte Holger mühelos „entzaubern“, und in der Folge durch feines Positionsspiel in Vorteil kommen. Mit 23.c5! .. brach er die schwarze Stellung auf, gewann einen Bauern und zerstörte den gegnerischen Damenflügel. Jans Versuche, noch ein wenig im Trüben zu fischen, wurden abgeblockt und nach dem Damentausch ging ein weiterer Bauer ohne Gegenwert verloren. Seine überlegene Stellung konnte Holger wenig später dazu nutzen, mit einer kleinen Kombination in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln. Hier war Holger in seinem Element! Eine feine positionelle Leistung und diesmal wohl die beste unserer Partien.

3,5 : 1,5

An Brett 3 trat ich mit dem Handicap einer erst vor wenigen Tagen überstandenen Augen-OP an und hatte eigentlich vor, mich mit einem kurzzügigen Remis zu schonen. Als mir dann WvO gegenüber saß, ahnte ich schon, dass das ein schweres Stück Arbeit werden könnte. Ich wollte einen geschlossenen Spanier spielen, aber er zwang mich mit einem Bauernopfer abzuweichen. Nach 13 Zügen hatte ich einen gesunden Mehrbauern, aber schon über eine Stunde Bedenkzeit verbraucht und machte einen schwächeren Zug. Mein Remisangebot ließ Wilhelm eine halbe Stunde überlegen, dann wählte er die schärfste mögliche Fortsetzung mit einem Qualitätsopfer. Die Qualität musste ich zurückgeben, aber ich behielt einen Mehrbauern. Für die letzten zwanzig Züge blieben uns beiden kaum mehr als 15 Minuten Zeit. Das sollte die folgende „Komödie der Irrungen“ nicht entschuldigen. Mit dem vorbereiteten und nicht mehr überprüften Entlastungszug 21. ..Sg8?? stellte ich einzügig die Partie ein, denn auch nach 22.De5+ Sf6! hat Weiß Möglichkeiten, die Partie zu gewinnen, er musste sie nur bei begrenzter Bedenkzeit erst finden.
Wilhelm „glaubte mir aufs Wort“ und ließ seine Gewinnchance aus. In der taktisch brisanten Stellung gab es bis zum weißen Remisangebot im 35. Zug noch mehrere Ungenauigkeiten auf beiden Seiten. Aber 2 Minuten auf der Uhr reichten, um das Angebot abzulehnen und auch mit „zweitbesten Zügen“ ein klar gewonnenes Endspiel zu erreichen.

4,5 : 1,5

An Brett 5 spielte Bernds Gegner Erik Rosenberg ein Orthodoxes Damengambit, behandelte es aber nicht zum besten und geriet schnell in Positionsnachteil, obwohl Bernd seine Chancen nicht optimal nutzte. Mit 17.Tf3 .. gab Bernd seinem Gegner die taktische Chance 17. .. e5!, die dieser aber anscheinend nicht sah. Nach 25. g5 .. blieb Erik zunächst nur noch die Möglichkeit, hin- und herzuziehen und auf die Exekution zu warten. Im 40. Zug verlor er die Nerven und eine Qualität. Der Rest war Sache der Feldmannschen Technik.

5,5 : 1,5

Heinz spielte an Brett 7 seinen Königsinder gegen den „Theoretiker“ Jannik Webel (Pähtzsche Schule?) nicht ganz sauber und sollte nach 19. b3 .. in Nachteil geraten. Der taktische Fehler 19. Lxc5 .. bringt Heinz in Vorteil. Er bricht mit seinen Schwerfiguren in die weiße Stellung ein, begnügt sich dann aber mit einem simplen Bauerngewinn. Die Realisierung des Vorteils dauert noch 50 Züge und mehrere Stunden. Das Gute daran ist, dass Weiß nur zusehen kann. Der schwarze König wandert zum Damenflügel, nach dem Turmtausch wird die Bauernmehrheit aktiviert und schließlich ein Mehrbauer am Damenflügel unter Ausnutzung des beweglichen Springers, der gegenüber dem von seinen Bauern behinderten Läufer in dieser Stellung eindeutige Vorteile hat, zur Dame geführt.

6,5 : 1,5


Fazit

Unser hoher Sieg ist nicht ganz verdient! Ich stehe zumindest einen Zug lang auf Verlust. Das darf nicht passieren, auch bei knapper Bedenkzeit nicht. Ralf kommt nicht gut aus der Eröffnung und gewinnt nur durch zwei grobe Schnitzer seines Gegners. Bernd gestattet seinem Gegner ein Spiel auf Qualitätsgewinn, das dieser glücklicherweise übersieht. Auch Heinz profitiert von einem Patzer seines Gegners, nach 19.b3! steht er klar schlechter. Nun könnte man sagen, das Schach lebt von unseren Fehlern, aber wir müssen damit rechnen, dass wir demnächst Gegner haben, die solche Fehler bestrafen! Unser nächster Kontrahent Schmalkalden könnte dazugehören.

 

Tilo Schulz


Erster Sieg in der Landesklasse mit einer soliden Leistung - Holger am Brett 2.   Schweres Duell mit Höhen und Tiefen - Tilo (rechts) gegen WvO.   "Eilt von Sieg zu Sieg!"  Heinz Kunze realisierte den Minimalvorteil nach stundenlangem Kampf.

 


 

Was gab es zu sehen?   -   Die Höhepunkte des Tages im Überblick.

 

Brett 1   -   Kurt Essegern   (Schwarz)   Brett 3   -   Tilo Schulz   (Schwarz)   Brett 3   -   Tilo Schulz   (Schwarz)

Nach 17... Ta8 verpasste Weiß mit 18.c5 die Gelegenheit von Druckspielaufbau.   Weiß stand nach 17...Sxc2 am Scheideweg. Dxc2 ist relativ ausgeglichen, während der Partiezug fxe6 deutliche Unruhe ins Geschehen bringt.   Der umstrittene 21. Zug von Schwarz - Sg8? verliert nach De5+ die Figur. Haben beide Spieler nicht gesehen! Schwarz muss etwas dazwischen ziehen und der Bauernhebel g4-g5 entscheidet.
         
Brett 3   -   Tilo Schulz   (Schwarz)   Brett 5   -   Ralf Roth   (Schwarz)   Brett 7   -   Heinz Kunze   (Schwarz)

Die Stellung nach 31.g5 - es folgte Ld8 mit langem Kampf. Sehr gut ging Dxh3 mit der Drohung Tg4+. Auch gxf6+ Kf7 ändert daran nichts! Die Dame setzt sich relativ leicht gegen Turm und Läufer hier durch.   Mit 24.Se4? übersah Weiß den Gegenangriff Le8. Der Turm verliert die Deckung des Springers. Der Partiezug Ta3 ist nur zweite Wahl. Wenn schon den Turm, dann Txa5.   Durch ein Missgeschick landete der weiße König auf dem Präsentierteller. Mit der Eröffnung einer zweiten Front durch f5! hätte Heinz kurzen Prozess machen können. So ging die Partie noch ca. 60 Züge...

 

 


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letzte Aktualisierung dieser Seite:  15. November 2011